Seit dem bekannt wurde, dass die Mobile-Handy-Kommunikation mit Hilfe von Technik, die Nokia an den Iran verkauft und installiert hat, im Iran zur Überwachung der Bevölkerung und politischen Regierungsgegner durch die iranische Regierung missbraucht wird und somit auch zu zahlreichen Verhaftungen der demokratischen Gegner eingesetzt wird, boykottieren die Iraner nun die Firma Nokia.
Für viele Iraner steht fest, das Nokia hier eine maßgebliche Mitschuld trägt und sie verurteilen Nokia als Komplize der für sie illegalen Regierung. Ihre Rache ist einfach, kann aber doch umso wirkungsvoller sein, denn so hat sich der Verkauf von Handys und anderen Nokia Geräten alleine in der Hauptstadt Teheran halbiert. Selbst Händler in allen Bereichen von dem Einzel- bis zum Großhändler boykottieren mittlerweile Nokia Geräte.
Bei einem Netz was immerhin 53 Millionen Menschen verbindet ein nicht ganz so unerheblicher Marktfaktor.
Ermöglicht wurde die Überwachung des Mobilfunknetztes in Iran durch die Firma NSN, welche ein Joint Venture von Noia und Siemens ist. NSN installierte ein System bei Quasi-Monopolisten im Iran Telecommunications Company of Iran (TCI), welches nicht nur die Überwachung durch Deep Packet Inspection ermöglicht, sondern auch die nachträgliche Manipulation von Inhalten. Dabei hat in diesem Zusammenhang Siemens sogar noch ein Internet-Filtersystem im Iran installiert haben.
Angst haben indes auch zahlreiche Werbekunden, die von einer Anzeigenschaltung bei Telecommunications Company of Iran (TCI) absehen, weil sie fürchten hierdurch auf eine schwarze Liste der Regierungsgegner zu landen und ins Auge des Überwachungsapparates zu geraten. Ein andere Boykottmaßnahme besteht auch darin, die wirtschaftlich begehrte SMS Sparte im TCI-Netz zu boykottieren. Durch den Boykott des lukrativen SMS-Dienstes, waren nun die Provider ihrerseits gezwungen die Preise für die Kurznachrichten zu verdoppeln, was sich ebenfalls negativ auf den SMS-Dienst auswirken dürfte.
Dies ist sicherlich ein Schaden den Nokia so nicht vorher gesehen hat und leider wissen die Verantwortlichen auch nicht so recht darauf zu reagieren. Hier wird jedoch der Boykott der Nokia-Geräte eine weitaus größeren wirtschaftlichen Schaden für Nokia nach sich ziehen, als seinerzeit die Schließung des Bochum-Werkes in Deutschland. Auch ist der Image-Schaden hier um ein vielfaches höher zu bewerten und wird sicherlich auch noch nachhaltiger die Bevölkerung im Iran prägen.
Gruß,
Joaquín